Trotz Handicap
ministrieren
Fachstelle
Ministranten und Ministrantinnen will Betroffenen Mut machen
Wernau: Ab sofort bietet die Fachstelle Ministranten und
Ministrantinnen des Bischöflichen Jugendamtes der Diözese
Rottenburg-Stuttgart einen neuen Service für die Ministrantenpastoral:
Mit Diözesanoberministrantin Sabine Grandl (20) erhalten
MinistrantInnen mit erhöhtem Betreuungsbedarf eine kompetente
Ansprechpartnerin, die sich dafür einsetzt die Integration von
behinderten Kindern und Jugendlichen über die Ministrantenarbeit zu
fördern. Als Schwester eines Ministranten mit erhöhtem
Betreuungsbedarf weiß Grandl, worum es dabei geht. Die vielen
Vorurteile, die Kindern mit Handicap entgegengebracht werden, machen
mancherorts auch an der Kirchentüre nicht halt, und Skeptiker gibt es
überall.
„Bei Tobias war es relativ einfach“ weiß sie über ihren Bruder zu
berichten. „Da die Kirchengemeinde ihn von klein auf kannte und er
immer und überall dabei war, war es keine Frage, dass Tobias auch die
Möglichkeit erhielt, Ministrant zu werden. Natürlich gab es auch bei
den Minis zu Beginn Berührungsängste, die jedoch mit der Zeit
beseitigt waren. Heute ist Tobias ein Mini wie alle anderen auch.“
„Am Anfang habe ich immer nur Kollektendienst
gemacht, selbst wenn die anderen das auch wollten!“ erzählt Tobias von
sich selbst. Dass er die Kniebeuge immer noch nicht kann und sie
deshalb einfach weglässt, stört keinen.
Damit umzugehen erforderte natürlich einige Absprachen unter allen
Beteiligten, doch alle haben dabei gelernt: Gottesdienst muss kein
starrer Rahmen sein. Wichtig ist, dass jeder sich so einbringen kann,
wie er eben kann.
Inzwischen ist Tobias neun Jahre bei den Ministranten und die
anfänglichen Unsicherheiten sind vergessen. Für die 20-Jährige, die im
Moment ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Behinderteneinrichtung
macht, ist dies ein voller Erfolg, den sie auch anderen jungen
Menschen mit Handicap ermöglichen will. „Vorurteile sind natürlich!
Sie sind erst dann nicht hinnehmbar, wenn man bei ihnen stehen
bleibt.“ meint sie. Wichtig sei ihr daher, die behinderten Kinder
nicht von vornherein abzulehnen, sondern gemeinsam nach Möglichkeiten
zu suchen, wie sie integriert werden können. Damit ist nicht nur der
Dienst am Altar gemeint, auch in den Gruppenstunden und Freizeiten ist
integrative Arbeit möglich.
Wie sich die Arbeit der neuen Ansprechpartnerin
genau gestalten wird, darauf ist auch die Fachstelle Ministranten und
Ministrantinnen sehr gespannt. Ob Einzelberatung, Fachtage oder
Handreichungen, denkbar sei vieles. Aber entwickeln wolle man das
Angebot mit den Betroffenen zusammen, erläutert Sebastian Schmid,
Ministrantenreferent der Diözese. „Wir wollen eben keine
Standardrezepte liefern, sondern sensibilisieren und allen Beteiligten
Mut machen:
den Pfarrern und pastoralen MitarbeiterInnen
ebenso wie den MinistrantInnen und den betroffenen Familien.“
Erreichbar ist Sabine Grandl über die Fachstelle Ministranten und
Ministrantinnen der Diözese unter der E-Mailadresse
ministranten@drs.de oder unter 07153 3001-135. Ein Flyer zum Thema
steht unter
www.fachstelle-minis.de zum Download bereit, oder kann über die
Fachstelle bezogen werden.
In der Diözese Rottenburg-Stuttgart leisten rund 37.000 Kinder und
Jugendliche den Dienst am Altar. Die Fachstelle Ministranten und
Ministrantinnen koordiniert und unterstützt die Ministrantenpastoral
der Diözese durch Ausbildungsangebote, Literatur und Vernetzung der
MinistrantInnen untereinander.
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