Seelsorge für Familien

     mit behinderten Kindern

         in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Aktuelles

 

Aktuelles Stuttgart

 

Ein Traum wird wahr – Auf den Spuren von Franziskus im Kloster Sießen

Seit dem Weltjugendtag in Köln organisiert die Seelsorge für Familien mit behinderten Kindern immer wieder Exerzitien für Menschen mit einer Behinderung. Beim Weltjugendtag hatte das Vorbereitungsteam sehr eindrücklich die Spiritualität dieser Menschen erlebt und suchte nach Möglichkeiten solche besonderen Fahrten regelmäßig anzubieten. Inzwischen wurden gemeinsam einige gute Orte für Exerzitien gefunden. Auch das Kloster Sießen stand schon seit längerem auf der „Wunschliste“ der Seelsorge für Familien mit behinderten Kindern. In diesem Jahr von Christi Himmelfahrt bis zum darauf folgenden Sonntag wurde der Traum dann wahr. Und in der Tat, das Kloster der Franziskanerinnen war und ist ein guter Ort der Besinnung für Menschen mit und ohne Behinderung.

 

Direkt am Eingang des Klosters fanden sich schon die Spuren des heiligen Franziskus tief im Weg eingegraben. Und auch im Inneren der Klosternanlage gab es viele Kunstwerke zu entdecken, die einem Franziskus näher bringen konnten. Mehr noch als diese Kunst waren es die Menschen, die hier leben. In ihnen wurde der Lebensgeist des Franziskus ganz konkret erfahrbar. Alle aus der Gruppe der Besinnungstage waren begeistert von der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ordenschwestern. In diesem Umfeld war es deshalb auch einfacher den besondern Bedürfnissen von Menschen mit einer Behinderung gerecht zu werden. Dennoch ist es nicht alltäglich, dass Menschen mit Behinderungen im Kloster übernachten. So war es zum ersten Mal, dass zwei blinde Frauen im Haus Elisabeth für mehrere Tage ein Zuhause fanden. Dies wäre natürlich zunächst einmal ohne Sr. Dorothea, die auch dem Orden angehört, nicht denkbar gewesen. Sr. Dorothea arbeitet in Stuttgart in der Nikolauspflege und unterrichtet dort auch das Fach Blindenschrift. Sie war es gewesen, die Einladungen zu dieser Exerzitienfahrt nicht nur in „Schwarzschrift“, sondern auch in Brailleschrift, der besonderen Punktschrift für blinde Menschen, weitergeben hatte. Auf diese Weise konnten weitere Barrieren abgebaut werden und das Interesse zweier blinder Frauen geweckt werden. Aber nicht nur die Einladung sondern auch die Texte während der gemeinsamen Tage standen in Brailleschrift zur Verfügung. Das Liedheft war ebenfalls in dieser Schrift abgedruckt. Es war faszinierend zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit sich die Finger der beiden Frauen über diese Seiten bewegten und mit welcher Freude sie am Singen teilnahmen.

  Feuer und Stockbrot - wunderbar!

 Einer der Lieblingslieder der Exerzitien war das Lied „Feuer, flammendes Feuer“. Dieses Lied wurde sehr gerne auch in der Abendrunde am echten Feuer gesungen. Denn ein wichtiges Anliegen des Vorbereitungsteams war es, die gemeinsamen Tage anschaulich und mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Natürlich bedeutete dies auch, sich auf das Leben der Schwestern in ganz unterschiedlicher Weise einzulassen. Die Gruppe nahm an den Gebeten der Gemeinschaft teil und half bei den Arbeiten im Haus Elisabeth. Aber letztendlich war dies keine zusätzliche Last, sondern eine gute Möglichkeit sich zu begegnen.

Die fröhlichen Schaffer

Am Tag der Anreise begannen die Exerzitien erst einmal mit einem kurzen Rundgang durch das große Kloster. Der Weg führte auch in einen alten Gebetsraum der Ordensschwestern bei der Barockkirche, der früher im Winter immer genutzt wurde. Dort nahm die Gruppe Platz im Chorgestühl ein und konnte mit den Füßen die Abdrücke im Holz erspüren, die dort Generationen von Menschen beim Gebet hinterlassen hatten. Danach führte der Weg in die Kapelle, die heute der Gebetsraum der Schwestern ist. Dort steht ein wunderschönes romanisches Kreuz. Der Legende nach, wird es immer Schwestern in diesem Kloster geben, solange auch das Kreuz an diesem Ort weilt. 

Original und Fälschung – ein Bild zum Fühlen (gestaltet von Sr. Dorothea)
Am nächsten Tag suchte die Exerzitiengruppe einen Raum auf mit Figuren aus dem Leben des Franziskus. Diese Figuren wurden aus Pappmasche hergestellt. Die Gruppe musste stauen, als sie diese Figuren zum ersten Mal sehen und anfühlen durfte, denn es war kein Unterschied zu geschnitzten Figuren erkennbar. Aber letztendlich ist es nicht wichtig aus welchem Material diese Figuren gemacht sind, sondern ob sie in der Lage sind, eine Botschaft weiterzugeben. Und wirklich, diese Figuren sind besonders geeignet, das Leben des heiligen Franz in vielfacher Weise lebendig werden zu lassen. Am Nachmittag stand dann ein Kreativteil auf dem Programm. Das „TAU“ des Franziskus und sein Segen sollten erarbeitet und erspürt werden. Es entstanden unterschiedliche Kreuze, die die Teilnehmerinnen mit nach Hause nehmen konnten. Der Tag fand seinen ersten besonderen Abschluss in der Krypta, wo das Kreuz von St. Damiano in besonderer Weise im Mittelpunkt stand. Danach saßen alle unter einem sternenklaren Himmel am Feuer. Auch der heilige Petrus war auf diese Weise der Gruppe freundlich gesinnt, denn das Wetter ermöglichte alle geplanten Aktionen im Freien.

Franziskus und ein Leprakranker

 

 

Am Samstagmorgen war dann nach einer Zeit des Regens ein wolkenloser Himmel über Sießen. So brach die Gruppe auf, um den Franziskusgarten näher kennen zu lernen.  Der Garten ist paradiesisch angelegt und war auch für die drei Rollstuhlfahrerinnen zugänglich. Allerdings sind die Schotterwege eine Herausforderung für kleine Räder. Aber Natur ist halt Natur und dafür war man ja auch als Gruppe unterwegs. Gemeinsam schaffte man es die besonders schönen Orte des Gartens zu erreichen. Als die Glocken am Mittag zum Essen riefen, fiel der Abschied schwer. Alle hätten noch mehr von dieser Natur und der Gemeinschaft in ihr erleben wollen.

Im Labyrinth im Franziskusgarten

 Nach der Mittagspause war wieder ein Kreativteil vorgesehen. An diesem Tag wurde ein Leporello zum Sonnengesang hergestellt. Alle saßen fleißig bei ihren Kunstwerken und hätten auch hier noch stundenlang daran arbeiten können. Eine junge Frau machte sich unterdessen aber auf den Weg noch einmal in den Franziskusgarten. Dort half sie den Ordensschwestern bei der Pflege im Garten. Auf diese Weise wurde sie zu einer Botschafterin der Gruppe, die auf ihre Weise Brücken zur Gemeinschaft baute. Am Abend saßen dann wieder alle um das Feuer, das an Franziskus erinnerte. Neben Sr. Lea, vom Haus Elisabeth, waren noch zwei weitere Schwestern der Gemeinschaft dazu gekommen und gemeinsam genossen alle diese besondere Form des Zusammenseins. Und es wurden wieder Träume wach. In zwei Jahren will man sich wieder hier treffen, dann für mindestens eine Woche. Denn es wäre gut die Tage etwas zu entschleunigen um mehr Zeit für die einzelnen Aktivitäten zu haben. Und nächstes Jahr, da steht erst einmal eine Fahrt zum Haus der Gemeinschaft in Assisi auf dem Programm.

Doch noch sind die gemeinsamen Tage noch nicht vorbei. Am letzten Tag gibt es im Kloster noch einmal etwas zu feiern. Vor 100 Jahren, wurde Schwester Maria Innocentia Hummel geboren. Diese Schwester des Klosters hatte neben vielen Aquarellen, auch die Vorlagen für die Hummelfiguren geschaffen. Von ihrem Wirken hat das Kloster sehr profitiert und blickt an diesem Tag mit Dankbarkeit auf das Leben und Wirken dieser Schwester zurück. Auch an ihrem Lebensweg wird ein weiteres Mal deutlich, wie viel Gutes daraus entstehen kann, wenn man sein Leben in die Hand Gottes legt und dass Krankheit und Begrenzung nicht unweigerlich ein sinnerfülltes Leben unmöglich machen.

Ein Leporello entsteht mit viel Hingabe

Dann naht doch die Stunde des Abschiedes, die vielen sichtlich schwer fällt. Es war auch eine besondere Zeit miteinander und die Gruppe hat sich von Anfang an gut verstanden und sich gegenseitig geholfen. Wunderbar war auch, dass eine neue Kollegin der Seelsorge für Familien mit behinderten Kindern aus dem Dekanat Böblingen an diesen Tagen teilnehmen konnte. Auch für Claudia Bleif war spürbar, welche Kraft von diesen Besinnungstagen ausgeht. Es ist ein großer Reichtum, diese Form der Gemeinschaftserfahrung mit im Programm der Seelsorge für Menschen mit einer Behinderung zu haben.

So nimmt am Ende der Zeit in Sießen die Gruppe den Traum mit nach Hause, sich wiederzutreffen und weiter den Spuren des Franziskus zu folgen. Für alle, die nicht so lange warten mögen, gibt es bereits im Sommer zwei weitere Angebote. Nähere Informationen finden sich auf dieser Homepage  unter der Rubrik Stuttgart.

 Gruppenbild vorm Haus Elisabeth